The Who kamen 1965 mit dem Hit My Generation aus einer alten Londoner Garage und waren bis in die neunziger Jahre hinein für ihre Generation tonangebend geblieben. Pete Townshend (g, voc), Roger Daltrey (voc), John Entwistle (bg, voc) und Keith Moon (dr), die sich anfangs The Highnumbers nannten und in Vorstadtkneipen rockten, hatten ihre Auftritte (beispielsweise bei den epochalen US-Popfestivals in Monterey und Woodstock) zu einem optisch fesselnden Musiktheater und zu Orgien der Gewalttätigkeit gemacht. Am Ende der Show zertrümmerten sie eine Zeitlang regelmäßig ihre Instrumente. Sie waren die ersten, die elektronische Rückkoppelungen in ihre durch riesige Verstärker- und Lautsprechertürme projizierten Lärmsymphonien einkomponierten und zudem Collagetechniken für Rockschallplatten nutzten. Auf der LP The Who Sell Out parodierten sie mit witzigen Texten, Geigenschmalz und Fanfaren die Werbesendungen von "Wonderful Radio London"; mit dem durchkonzipierten Album A Quick One (US-Titel: Happy Jack) regten sie den Sgt. Pepper der Beatles an; mit dem Song-Zyklus Tommy (Pete Townshend) brachten sie als erste Band Rockmusik in die Opernhäuser mehrerer Kontinente. Dem harten, vulgären, schonungslosen Rock_'n'_Roll-Stil der englischen Arbeiterjugend hat das Quartett kaum etwas hinzugefügt, aber es hat diesen Stil humorvoll und artifiziell zur Vollendung geführt. Jeder von Townshends Partnern war ein Rockmusiker par excellence. Roger Daltrey, am 1. März 1944 im Londoner Stadtteil Hammersmith geboren, war zwar kein technisch überragender Sänger. Er setzte seinen direkten, so gut wie verzierungslosen Vokalstil jedoch kraftvoll und derart ensemblekonform ein, nach einer selbstentwickelten Choreographie wirbelte er seinen Körper und das Mikrofon derart artistisch über die Bühne, daß selbst das heikle Jazzmagazin "Down Beat" anerkennen mußte, er erfülle seinen Job außerordentlich ehrlich und effektiv. In der Filmversion von Tommy spielte Daltrey die Titelrolle. Keith Moon, am 23. August 1946 in Wembley, England, geboren, war nicht nur ein fulminanter Showdrummer mit einer Begabung für groteske Gesten, sondern auch ein Schlagzeugvirtuose, der die melodischen Möglichkeiten der Trommeln und Becken vortrefflich nutzte. "Er erschöpft sein Instrumentarium und holt alle nur denkbaren Tonfarben heraus" ("Down Beat". Als im November 1972 die Orchesterfassung von Tommy im Londoner Rainbow Theatre Bühnenpremiere hatte, gab er - wie später auch im Tommy-Film - den schrecklichen Onkel Ernie, der sich mit verschwitzter Damenunterwäsche erotisch stimuliert und seinen Neffen Tommy mißbraucht. Moon starb am 7. September 1978 an einer Überdosis des Medikaments Heminevrin, das ihm zur Dämpfung seiner Alkoholsucht verschrieben worden war. "Die Zeit": Moon war "ein genuiner Komiker". John Entwistle, am 9. November 1945 in Chiswick, England, geboren, hatte Musiktheorie und French Horn studiert und als Steuerbeamter gearbeitet, ehe er als Baßgitarrist und Co-Autor von Townshend zum ruhenden Pol im Bühnen-Furioso der Who wurde. Daß sich die Musikalität des brillanten Rhythmikers in seiner Who-Rolle nicht erschöpfte, bewies er mit Soloalben, auf denen er Baßgitarre, French Horn, Trompete, Posaune, Klavier, Elektroklavier, Orgel spielte und sang. Entwistle hatte zudem Stücke komponiert, arrangiert und in eigener Regie produziert. 1973 lud er Alan Ross (g), Tony Ashton (kb) und Graham Dekain (dr) zu einem Studioquartett ein, mit dem er unter den Combotiteln Ox und Rigor Mortis in Stücken wie Hound Dog, Lucille, Big Black Cadillac, Peg Leg Sue hochaktuellen Rock 'n' Roll produzierte. Die starken latenten Spannungen zwischen den eingefleischten Who-Individualisten brachen bei der Produktion des Albums Quadrophenia offen aus und wurden zwischen Townshend und Daltrey sogar in der englischen Musikpresse ausgetragen. Durch das Soloalbum Daltrey (1973) mit Songs von Leo Sayer, die mit der Who-Klangsprache wenig gemein hatten, hatte der Sänger Selbstvertrauen gewonnen. Der Konflikt überschattete die Welttournee 1976 und führte zu einer Produktionspause der Band zwischen dem schnörkellosen Rockalbum The Who By Numbers (1975) und Who Are You (1978), welche die vier Musiker mit Soloprojekten füllten. Überrascht konstatierte Townshend im New Song: "Wir singen die gleichen alten Strophen,/nur für ein anderes Publikum, und alle sind begeistert./Wir laufen unendlich weit, um noch Höheres zu erreichen,/scheinen aber dem Gipfel nie näher zu kommen./Wir singen die gleichen alten Lieder, die gleichen."

Durch den Tod von Keith Moon, der noch für sein Comic-Album Two Sides Of The Moon positive Kritiken eingeheimst hatte (Greil Marcus: "Wenn ich mir seine Aufnahmen anhöre, klingt er nach mehr als nach dem besten Drummer der Rockgeschichte, er klingt wie der einzige", wurde
Who Are You zum letzten Who-Album in der Originalbesetzung. Es hatte Platin-Erfolg. Kenny Jones (dr), ehemals bei den Small Faces, trat an Moons Stelle. Für den Dokumentarfilm zur Band-Geschichte "The Kids Are Alright", dessen Soundtrack als Platte erschien, arbeitete die neue Formation erstmals zusammen - mit geringem Enthusiasmus und in Konzerten mit geringer Kraft. Daß in einem Who-Mammutkonzert im Dezember 1979 im Riverfront Coliseum in Cincinnati elf Menschen zu Tode getrampelt wurden, lastete schwer auf dem Selbstverständnis der Musiker. Einen Monat nach der Veröffentlichung des Albums It's Hard (1982) stürzte ihr Producer und Manager Kit Lambert eine Treppe hinunter und war tot. Noch einmal unternahm die Band eine spektakuläre Nordamerikatournee, die in Toronto endete. Ihr Abschiedskonzert gab sie im englischen Birmingham. Nach dem Doppelalbum Scoop (1983) mit unveröffentlichten Arbeitsproben und Demos erschien 1984 die letzte Live-LP der Gruppe: Who's Last. Im Juli 1985 trafen sich die Musiker für einen Beitrag zum weltweit ausgetragenen Benefizkonzert Live Aid. Angesichts so vieler älterer Rock-Matadore bei einem Gala-Diner zur Rock and Roll Hall of Fame 1987 in New York meditierte Townshend: "Wir sollten auch wieder auf Tournee gehen." Und prompt initiierte er ein Doppelalbum sowie ein 60-Minuten-Video mit den wichtigsten alten Heulern (1988) zur Vorbereitung eines Comebacks: Who's Better, Who's Best. Von Saratoga Springs aus gingen The Who mit Simon Phillips (dr) anstelle von Kenny Jones plus Steve "Boltz" Bolton (g) 1989 auf eine USA-Tournee mit 43 Konzerten in 25 Städten. Mit zwölf zusätzlichen Musikern und Sängern führten sie Tommy in der New Yorker Radio City Music Hall auf. Vier anschließende Konzerte im Giants Stadium, New Jersey, vor je 54000 Fans waren ausverkauft. 5243672 Dollar wurden eingenommen. Tourneegewinn für die Band: rund 30 Millionen Dollar. The Who cash in. 1993 veröffentlichte die Recording Industry Association of America (RIAA) amerikanische Auflagenzahlen einiger Who-Alben: Greatest Hits, Live At Leeds, Tommy, Who Are You? je zwei Millionen, Meaty, Beaty, Big And Bouncy, Quadrophenia, The Who By Numbers je eine Million (Platin), Hooligans, Who's Better, Who's Best je eine halbe Million (Gold), Who's Next drei Millionen. 1994 erschien unter dem Titel 30 Years Of Maximum R & B eine 4-CD-Box mit einem sorgfältig edierten Karriererückblick der Band, die 1990 auch in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden war. Die Box enthielt unter den vordem unveröffentlichten Stücken auch den intensiven Who-Auftritt beim Woodstock Festival 1969. Ende Juni 1996 trat die Band kaum geprobt und lädiert bei einem Konzert für den Wohltätigkeitsverein von Prinz Charles neben Bob Dylan, Gary Glitter und Eric Clapton vor 150000 Menschen im Londoner Hyde Park auf. Daltrey trug eine rotblaue Augenklappe: Glitter hatte ihn beim Soundcheck mit dem Mikrofon verletzt. "Manchmal", so Townshend wütend, "fühle ich schon noch den Drang, wie früher meine Gefühle am Equipment auszulassen."

Die Live-Show brachte die alten Recken aber auch wieder auf den Geschmack. Im Frühjahr 1997 starteten Townshend, Daltrey und Entwistle mit Ringo-Sohn Zak Starkey (dr) und 15 Musikern und Sängern in New York die 2,5 Millionen Dollar teure Multi-Media-Show
Quadrophenia für eine Welttournee. "New York Post": "Einer ihrer größten Triumphe und vielleicht das beste Rock_'n'_Roll-Konzert des Jahres." Als Zugabe intonierten Daltrey und Townshend Won't Get Fooled Again mit der Refrainzeile: "Pick up your guitar and play - just like yesterday." Vier Jahre danach wurden The Who plus Starkey (dr) und John "Rabbit" Bundrick (kb) abermals rückfällig. Im Herbst 2000 begannen sie auch ohne neuen Tonträger in Londons Wembley Arena mit den alten Songs und neuen Sprüchen ("Das nächste Stück handelt garantiert nicht vom Internet. eine weitere Tournee. Die Konzerte waren bei durchschnittlichen Preisen von - umgerechnet - 55 Euro überall ausverkauft. Ansage Townshend, begeistert: "Leute, das war eine der besten Sachen, die wir je gemacht haben. Ich danke euch für den Applaus und die Kohle."

Im Oktober 2001 gaben The Who anlässlich des 11. September ein Benefiz-Konzert in New York. Mitte 2002 kamen sie wieder für eine Tour zusammen. Der unerwartete Tod John Entwistles am 27. Juni 2002 in einem Zimmer des Hard Rock Hotels von Las Vegas machten diesem Vorhaben aber ein jähes Ende. Daltrey und Townsend konnten sich nicht enthalten, 2003 noch einmal unter dem Logo The Who mit Gästen wie Eddie Vedder, Paul Weller, Noel Gallagher, Bryan Adams und Nigel Kennedy in der Londoner Royal Albert Hall aufzutreten und den Mitschnitt dieser Show als Live At The Royal Albert Hall zu verticken.